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Tukul heißt Hütte oder Haus

Von awo

Ein Haus in Afrika ist etwas anderes als ein Haus in Europa. Der kulturelle Unterschied wird deutlich, wenn ein Kind auf das Stichwort "Haus" etwas auf Papier malen soll.

Bei einem deutschen Kind wird dies ein Viereck mit einem Dreieck als Dach sein, bei einem afrikanischen Kind aber ein runder Baukörper mit einem runden Dach. Das ist die Grundform der afrikanischen Häuser, entwickelt aus den afrikanischen Rundhütten.

Die Hütten heißen "Tukul". Ein Tukul hat nur einen Raum, der allerdings unterteilt sein kann. Die ganze Familie schläft auf Ziegenfellen, die auf dem Boden liegen. Das Wort "Tukul" wird sowohl in Äthiopien als auch im Sudan verwendet. Das Tukul dient zum Wohnen, aber auch als Bauernhof oder Ort der handwerklichen Produktion. Das Tukul kann beispielsweise so aufgeteilt sein, dass der vordere Teil mit einem Feuerplatz als Wohnbereich (Essen, Schlafen) genutzt wird und der hintere Teil, abgetrennt durch eine Zwischenwand, als Lager. Darüberhinaus kann noch ein Bereich abgetrennt sein, der als Stall für das Kleinvieh dient.

Zur Bautechnik habe ich im Internet die folgenden Erläuterungen gefunden und ins Deutsche übersetzt (aus: Shelter, copyright 1973 by Shelter Publications, PO Box 279, Bolinas CA 94924, USA) :

Das Tukul oder Sarbet des äthiopischen Hochlands ist ein Gebäude, das in einfacher Bautechnik und unter exzellenter Ausnutzung natürlicher Ressourcen wie folgt errichtet wird:

Ein Kreis mit einem Durchmesser von 1,80 bis 3 Meter wird auf dem Baugrundstück abgesteckt. Eukalyptusstangen werden ringsherum in Abständen von etwa 90 cm in den Boden gesteckt. Die Stangen sollten so lang sein, dass mindestens 2,10 oder 2,40 Meter aus dem Boden ragen. Als nächstes wird die Mittelstange gesetzt. Sie sollte gross genug sein, um dem Dach einen Winkel von mindestens 50 Grad zu geben.

Nun werden die Wände aus aufrecht in den Boden gesteckten und eng zusammenstehenden Stangen gebaut. Ein Seil wird benutzt, um die Wand seitlich abzustützen. Grünes Holz wird benutzt, damit es sich leichter biegt. Nun werden die Dachstützen ungefähr 30 cm unter der Spitze der Mittelstange und ungefähr 60 cm über dem oberen Ende der Wand angebracht. Dies hilft, den Regen von der Wand abzuleiten. Die Stützen können noch weiter ausdehnt werden und als eine Art von Veranda genutzt werden.

Weitere Stützen zum Dach werden hinzugefügt. Auch diese sind aus grünem Holz und werden mit Seilen gebunden. Nun ist der Moment gekommen, das Dachmaterial einzubauen. Ein strohähnliches Gras wird dafür verwendet. Es wird gedeckt oder gebunden. Diese Arbeit wird vorsichtig von oben nach unten durchgeführt, um auf jeden Fall ein gutes Dach zu erhalten. Ein Tonkrug wird auf die Spitze der Mittelstange gestellt, um die Dachmitte vor Wasser zu schützen. Ein Lehmputz aus Stroh und Schlamm wird auf die Wand aufgebracht. Nach Beendigung dieses Arbeitsganges wird die Tür gebaut und installiert und zwei kleine Löcher werden ind die Wand gehauen, damit Sonnenlicht hereinkommen kann.

Geschrieben 22.02.2010, Geändert 23.02.2010, 3671 x gelesen.

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