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Simonos Petra - das architektonische Meisterwerk

Von jerasimos

Das Kloster Simonos Petra erscheint als architektonisches Meisterwerk und wird als athonischer "Potala" gerühmt. Als Bau, der nur noch in der Klosterburg des Dalai Lama zu Lahsa eine Entsprechung fände. Bilder, selbst die besten Darstellungen geben den Eindruck, den dieses Kloster auf den Reisenden macht, nur mangelhaft und unvollkommen wieder.

Das gilt vor allem für den Blick, der sich dem Besucher vom obersten Stockwerk des Gebäudes aus bietet: die Mauern, die Felshänge, die Wälder und schließlich das schillernde blaugrüne Meer (vor sich sieht man nur das Meer) zwischen Athos und Sithonia.

Auf der westlichen Seite von Athos gibt es seltener Sandstrände, die Küste ist von Buchten ausgezackt und von Vorgebirgen überwölbt, auf denen die Klöster errichtet wurden. Der Weg entfernt sich oft vom Meer, klettert Hänge hinauf, um eine Schlucht zu umgehen und fällt wieder zum Ufer hinab.

Auf diesem Küstenstreifen liegen hintereinander die drei eindrucksvollsten Athosklöster: Simonos Petras, Gregoriou und Dionisiou. Auf der Spitze einer Felsnadel oder auf einem Vorsprung am Meer, vermitteln sie noch mehr als die anderen den Eindruck einer Architektur des Klosters, das zwischen Himmel und Erde hängt. Diese bauliche Kühnheit an die Grenzen des Möglichen hatte natürlich ihren Sinn und Grund: Sie sollte den Mönchen den bestmöglichen Schutz vor den Beutezügen der Piraten und dem Begehren der Türken gewähren. Der Rest ergibt sich aus dieser Grundvoraussetzung: Da der Innenhof aus Gründen der Priorität für die Mönche reserviert blieb, musste man den für die Mannschaft bestimmten Platz äußerst knapp kalkulieren, eine Anzahl Zellen über dem Abgrund bauen und sie durch Stege miteinander verbinden.

Betrachtet man Simonos Petra von dem oberhalb gelegenen Weg über den Felsen aus, ragen seine Mauern zehn Stockwerke hoch auf einer Felsnadel empor, die man damals weder verbreitern noch abflachen konnte. Man musste, um dorthin zu gelangen, die östliche Schlucht mit Hilfe einer Arkadenbrücke überwinden. An den Mauern entlang führen Stege - vier an den Ecken und sieben im mittleren Teil - die zwar solide befestigt und mit einem Schutzgitter versehen sind, aber trotzdem einen zerbrechlichen Eindruck machen, vor allem wenn der Wind weht. Bedenkt man, dass die Steine einzeln hinauf getragen wurden, dann wird einem klar, dass Unfälle passieren und zahlreiche Arbeiter den Bau des Klosters mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Der Bauherr, Simon Petrus, ein Eremit von Athos, hatte mehrere Nächte hintereinander über der Felsnadel einen Stern leuchten sehen und erkannt, dass Gott ihm auf diese Weise den Ort bezeichnete, an dem er seinen Traum verwirklichen sollte.

Dieser schwindelerregende Anblick des Abgrundes hoch oben von den Stegbrücken aus und die beängstigende Lage zwischen Himmel und Erde, sie verleihen der Atmosphäre von Simonos Petra etwas Militärisches. Hinter sich, jenseits der Schluchten sieht man eine wüste Gebirgslandschaft, die bis zum Gipfel des Athos reicht.

Man könnte sich in einer Festung wähnen, in der Soldatenmönche die Grenzen eines feindlichen Landes beobachten. Soldatenmönche oder besser wachhabende Mönche, hielten Wache vor den Stufen des byzantinischen Imperiums gegenüber den Wüsten Anatoliens, den Hochebenen Kappadokiens und den Bergen Armeniens (Kleinasien-Kappadokien, das Land in dem die wichtigsten Kirchenväter geboren wurden, wie der Heilige Basileus, gilt als Mutterboden des früheren Christentums).

In den Sprüchen der Athosväter hieß es: "Wir sind wie Soldaten. Athos ist nicht das Paradies sondern eine Kampfstätte".

Geschrieben 07.02.2004, Geändert 07.02.2004, 3154 x gelesen.

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