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Wandern in Kappadokien

Von awo

Zentralanatolien ist geprägt durch eine karge, weite und raue Landschaft mit einer sehr geringen Bevölkerungsdichte. Kappadokien, das auch dort liegt, ist aber anders, nicht so weitläufig und in seiner Ausdehnung überschaubar. Seine Fläche wird mit ca. 10.000 km² angegeben, das wären etwa 100 mal 100 Kilometer. Markenzeichen seiner einzigartigen Landschaft, die sich von den anderen Gegenden in Zentralanatolien deutlich unterscheidet, sind skurrile Felsnadeln, Feenkamine und pilzähnliche Felsgebilde.

Bei dieser Überschaubarkeit bietet sich eine Erkundung des Landes für Wanderungen geradezu an. Es gibt eine ganze Reihe gut ausgeschilderter Wanderwege, beispielsweise durch das Rote und das Rosental. Sie sind ein gutes Exempel der merkwürdig anmutenden Täler und Schluchten, die dadurch entstanden sind, dass die nicht mit Basalt bedeckten Tuffschichten durch Erosion über die Zeit ganz ausgewaschen und abgetragen worden sind. Beide Täler gehen ineinander über. Trotz Ausschilderung ist aber der Wegverlauf ist nicht immer eindeutig. Die Wege werden unterhalten, da stört es nicht, wenn als “Eintritt” 2 Türkische Lira pro Person (das sind umrechnet 0,66€) erhoben werden.

Das Besondere sind die zahlreichen, in den Tuff gehauene Kirchen, die an diesem Weg liegen. Zumeist machen nur unscheinbare Schilder auf die Kirchen aufmerksam, der Zugang wird nicht durch Zäune, Kassenhäuschens oder sonstige Barrieren in kontrollierte Bahnen gelenkt. Nein, man stößt in freier Landschaft auf Kirchen und kann sie einfach so betreten.

Das ist ganz anders als in dem in der Nähe befindlichen und sehr berühmten Göreme, wo alles organisiert und der Touristenandrang so groß ist, dass man durch die Felskirchen geradewegs “hindurchgescheucht” wird. Nur ein zwei Minuten ist Zeit, dann muss man die jeweilige Kirche wieder verlassen und nachfolgenden Touristen Platz machen.

Kirchen ähnlicher Art kann der Wanderer auch bei dieser Wanderung erleben, aber ganz ohne Zugangsbarrieren. Wie in Göreme sind darunter noch Kirchen aus ikonoklastischer Zeit, das ist die Zeit des Bilderverbots, also als Bilder ähnlich wie im Islam auch in der orthodoxen Kirche verpönt waren. Der Felsen war schlicht weiß gehalten und nur auf kleinen Teilfächen waren Symbole wie Gut gegen Böse, Lebensbaum oder Kreuzzeichen aufgebracht.

Aber auch dekorierte Kirchen sind hier zu finden, so die Ayvalı Kilise (Kirche mit den Quitten) im Rosental, eine Doppelkirche aus Katholikon (Hauptkirche) und Parekklesion (Seitenkapelle), die über einen Durchgang verbunden sind. Ihre Malereien, darunter eine Deesis und die Himmelfahrt, sind stark geschwärzt. Im Roten Tal (Kızıl Çukur) liegt die Haçlı Kilise, welche ein Kreuz in der Decke und umfangreiche Fresken über dem Altar zeigt.

Wo befinden sich das Rote Tal? Die von hohen Felswänden eingebettete, rosafarbene Tuffschlucht Kızılçukur erstreckt sich rund 4 Kilometer nördlich von Ortahisar. Es gibt einen 4,5 Kilometer langen Rundwanderweg durch die Rote Schlucht und das Rosental (Güllüdere). Oder man geht in ca. 2 Stunden nach Çavusin, dort kommt man bei der Moschee mit dem Friedhof heraus.

“Der Fluss, in dessen ausgetrocknetem Bett Sie hier wandern, heißt Güllüdere. In die Höhlen, die hier in den Felsen zu erkennen sind, haben sich einst die Prediger zurückgezogen, um in sich zu kehren ... In den unterschiedlich gearteten Felsformationen von Güllüdere und Kızılçukur wurden insgesamt zwölf Kirchen errichtet ... Kızılçukur bietet seinen Besuchern insbesondere in den Abendstunden, kurz vor Sonnenuntergang, einen besonders beeindruckenden Anblick. Dann werden die steilen und zerklüfteten Hänge von der roten Abendsonne angestrahlt ... Das von Minute zu Minute wechselnde Farbenspiel verzaubert seine Betrachter”, heißt es zu diesen Tälern in dem Prospekt “Wanderroute Kappadokien” des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus.

Geschrieben 18.11.2014, Geändert 19.11.2014, 298 x gelesen.

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