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Moments on Kastellorizo, wie aus der Begeisterung für eine Insel ein Bildband wird

Von horst88

Kastellorizo? Wie kommt man eigentlich überhaupt dazu, sich dafür zu interessieren, was und wo Kastellorizo überhaupt ist?

Angefangen hat alles mit unserem ersten Griechenlandurlaub, den wir im Mai2002 auf Santorin verbrachten. Bis dahin haben wir uns mehr im Norden Europas herumgetrieben und dort Land und Leute kennengelernt. Jetzt war es aber so weit, beide Kids soweit raus aus dem Gröbsten, das man das erste Mal nach langen Jahren wieder daran dachte, zu Zweit einen Urlaub zu verbringen. Durch die Skandinavienreisen waren wir nicht an Pauschalurlaub a la Neckermann Bucher etc. gewohnt, sondern mehr so eingestellt, das man sich möglichst viele Infos zu der Urlaubsgegend im Vorfeld besorgt hat. So auch im Bezug auf diesen Urlaub.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, haben wir bis zum Frühjahr 2002 überhaupt keinen Schimmer im Bezug auf die geographische Zusammenhänge der griechischen Inselwelt gehabt, das Ziel wurde aus einem Last Minute Angebot ausgesucht, gebucht und fertig. Danach dann die große Neugierde, wo geht’s überhaupt hin? Erst jetzt wurde ein wenig Literatur besorgt und geplant. Wir waren das erste Mal in Griechenland und haben uns wohl sofort mit dem Nisi-Virus infiziert, der uns bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Nach Santorin wurde für den Herbst Karpathos ins Auge gefasst. Auch jetzt wieder Pauschal bei N…. oder B….. , für die letzte Saisonwoche in Arkassa. Zwischenzeitlich haben wir uns den MM Führer besorgt und beschäftigen uns schon mal mit dem Eiland. Der Sommer geht rum, dann auf einmal die tolle Nachricht unseres Reiseveranstalters, wir wechseln aus "organisatorischen Gründen" das Hotel und gegen Mehrpreis können wir auch eine bessere Klasse haben. Toller Witz!

Das lassen wir nicht so einfach mit uns machen, und wir canceln einfach alles. War klar, dass die Veranstalter nicht ausgebucht waren und wegen Gästemangels die einzelnen Häuser vorzeitig geschlossen wurden und man nur noch einige Wenige offen hielt, die dann aber ziemlich voll waren. Nicht mit uns! Dann haben wir im Netz mal schnell nachgesehen und siehe da, die Flüge nach Karpathos waren extrem preiswert. Also nur Flug gebucht und dann im MM Führer nachgesehen, was man da so empfiehlt. Ins Auge fällt das Pine Tree von Nikos. Hört sich extrem interessant an. Ein Aussteiger und Außenseiter, ganz unsere Wellenlänge. Ein Anruf dort, einen Preis den ich nicht glauben konnte, unsere Zusage und die Sache war fest gemacht. Damit begann unsere Inselhopperkarriere, die wir überwiegend frei treibend "organisieren“ und uns bis jetzt auf über 20 Inseln in der Ägäis führte.

Bei den Recherchen, die nur dem Überblick über die grobe Gegend dienen, sind wir dann auf das alte In-Greece Forum gestoßen (damit meine ich das damals noch wesentlich inhaltsreichere und spannendere Forum mit Chat und Rätseln zwischen den Usern – das Luftbildrätsel z.B, welches die wenigsten noch kennen werden und dessen Untergang einigen Querulanten zu verdanken ist, nicht den Betreibern!! ), haben viele Bekanntschaften gemacht und tolle Tipps bekommen. Irgendwann habe ich dann den Bericht „Kastellorizo – here starts Europe“ von K. gelesen.

Für uns hatte das irgendetwas. Keine Ahnung was, aber grundsätzlich waren wir neugierig und suchten auf den unseren Griechenlandkarten nach Kastellorizo. Aber es war einfach nichts zu finden! Irgendwie las man immer wieder den Hinweis auf die Nähe zur Türkei und wir fingen immer wieder an, auf den Karten zu suchen. Zuerst ganz oben bei Samos und noch höher , dann weiter runter bis Rhodos. Himmelviele Inseln, nur keine mit Namen „Kastellorizo“.

Wer kommt schon auf den Gedanken, das da 100 km südöstlich von Rhodos auch noch ein kleiner Fels im Meer steckt, der auf den Übersichtskarten kleiner als ein Stecknadelkopf ist, meistens nicht beschriftet ist und nur dem Wissenden durch die Grenzverlaufslinie als Griechenland zugehörig zu erkennen ist. Manchmal erzählen wir von Kastellorizo, aber selbst für Griechenlandkenner ist das oft ein unbekannter Name, erst wenn man von der letzten Bastion gegen die Türkei spricht, macht es manchmal Klick und dann kommen Aussprüche wie: Ach dort Unten, da wo ja überhaupt nichts los ist. - Das ist Kastellorizo.

Bei der Planung unseres Frühjahrurlaubes im Mai 2005 sollte es nun auch endlich mal nach Kastellorizo gehen. Es ging über Rhodos für 4 Tage nach Tilos wieder zurück nach Rhodos dann mit dem "Flieger" nach Kastellorizo. Dort angekommen suchten wir nach einer Unterkunft, aber es war morgens, kurz nach 8:00 und kein Mensch in den Gassen und keiner interessierte sich so wirklich für uns. Seltsam. Andere Welt? Keine permanenten Angebote mit „Rooms“ an jeder Ecke?

Dann kommt Damien und spricht uns an. Er hat noch ein Haus was er für jemanden mit anbietet, liegt etwas höher am Berg Richtung Kaserne, ist aber nicht unser Geschmack, ziemlich groß, eher für eine Familie. So auch der Preis, wir suchen ja nur ein Zimmer. Alle anderen Zimmer bei Monika und Damien sind belegt, bei der weiteren Suche begegnet uns der Wirt vom Panorama in Mandraki. Etwas abseits, aber sonst ok. Hier bleiben wir für 3 Nächte. Einige Spaziergänge, eine Wanderung über das Hochplateau und immer wieder die Ruhe und Beschaulichkeit, ganz anders als sonst.

Am letzten Tag sollten wir morgens früh um 7 Uhr unten beim Kai sein, dort wo der Bus abfährt, der uns dann zum Flieger bringt. Komisch, einige Leute tauchen auf und warten ebenfalls, aber kein Bus weit und breit. 15 Minuten später erfahren wir vom Inselpolizisten, dass wegen technischer Probleme der Flieger nicht kommt. Toll! Am nächsten Morgen um 8:00 geht unser Flieger ab Rhodos. Zum Glück kommt heute ein noch ein Schiff! Gegen 16:00 war die Proteus angesagt und wenn die kommt, schaffen wir es doch noch.

Während der Wartezeit lernen wir Monika und Damien näher kennen und es entwickeln sich interessante Gespräche, die uns dazu veranlassen, auch nach unserer Abreise weiter in Kontakt zu bleiben. Ab jetzt sind wir jedes Jahr 2 Mal auf Kastellorizo, immer wieder bei Freunden und nehmen am Leben auf der Insel Teil. Nicht nur Ferien, sondern wirklich am Leben teil haben, ermöglicht uns immer mehr Einblick in das Inselleben zu nehmen. Wir sind bei Feiern und Festen dabei, die Fischer nehmen mich mit und ansonsten ist man halt schon bekannt.

So entstanden durch unser beider Hobby, die Fotografie eine Menge an Aufnahmen aus allen möglichen Bereichen des Insellebens und wir entschlossen uns zu einem Fotobuch, wie man es bei jedem Online Fotolabor mittlerweile gestalten kann und nahmen es in 2007 einfach einmal mit. Die Gestaltung und gesamte Aufmachung, die Ivonne mit viel Herzblut gemacht hat gipfelte in der Begeisterung Aller, die es zu Gesicht bekamen und man ermutigte uns, doch so etwas zu veröffentlichen. Von der Insel gibt es nichts Vergleichbares und man ist der Meinung das so etwas hier wirklich fehlt.

Wir haben lange überlegt, ob wir dieses Abenteuer wagen sollten, schließlich sind damit ja auch Kosten in nicht geringer Höhe verbunden. Dann im Spätherbst steht der Entschluss fest und wir überlegen, ob das Ganze mit Verlag und in welcher Form überhaupt gemacht werden soll. Da wir die gesamte Gestaltung jedoch selbst (wir heißt hier fast ausnahmslos „Ivonne“) machen, benötigen wir auch keine Grafiker oder Designer, das Geld können wir sparen und wir benötigen nur noch eine Druckerei. Die Druckvorbereitung der Dateien ist mein Part und kann am Computer nach kurzer Lektüre der Rahmenbedingungen selbst gemacht werden.

Jetzt kommen Monate der Arbeit, die hauptsächlich von Ivonne, neben ihren anderen Aufgaben, erledigt wird. Dann die Proofs der Druckerei und eine nochmalige Überarbeitung von ca. 25 Seiten, bis der Inhalt steht.

Jetzt noch der Einband! Eine ganz neue Herausforderung. Nicht nur ein Bild mit Text, nein, das Ganze wird ja um die Decke an einem Stück herumgezogen und es muss alles passen! Front, Rücken und Rückseite an einem Stück, da wo es auch hin soll. Drei Korrekturen, bis wir wirklich zufrieden sind und dann: Druckfreigabe!

Nach einer Woche halten wir einige Exemplare in Händen, der Rest ist mit Spedition direkt nach Griechenland, Bestimmungsort Kastellorizo unterwegs. Ob die Spedition ahnt, wo Kastellorizo ist….

Horst April 2008

Geschrieben 04.05.2008, Geändert 04.05.2008, 4833 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von gnubbletours vom 19.05.2008 13:42:16

....ach so, ich würde gerne einen Bildband von Euch kaufen. Ich hoffe, das läßt sich machen, ohne daß ich nach Megisti muß???!!!
Wolfgang (Lykos)


Kommentar von gnubbletours vom 19.05.2008 13:38:36

Wir waren bereits 1981 und 1982 auf Kastelorizo. Damals gab es nur 2 x wöchentlich eine Fährverbindung von Rhodos nach Megisti (wie Kasteorizo auch genannt wird). Man brauchte mit der alten Panormitis gut 7 Stunden; immer ostwärts von Rhodos kommend, bis man genau gegenüber dem türkischen badeort KAS nach rechts in den Hafen von kastelorizo einbog. Ein Blick und eine Erfahrung der Sonderklasse. So ziemlich alle 200 Einwohner der Insel stehen dann immer am Kai wenn das Schiff kommt. Es bringt neben Nahrungsmitteln und Getränken auch einige Touristen oder ausgewanderte Griechen mit (Im zweiten Weltkrieg wohnten hier noch 14.000 Menschen und man hatte täglich Flugverbindung mit Paris - mit einem Wasserflugzeug). Diese zeiten sind vorbei. In einem Vertrag mit der Türkei ist geregelt, daß die Insel automatisch an die Türkei fällt, wenn die ständige Einwohnerzahl der Insel unter 200 sinkt. Damit dies nicht geschieht, werden die Einwohner stark von der griechischen Regierung subventioniert. Ein netter Unterbau für ein beschauliches leben am Ende der (griechischen) Welt. Wer frische Lebensmittel oder günstigen Whisky brauchte, der mußte sich am Mittwoch Morgen am kai einfinden, für (damals) 10 DM konnte man dann illegal mit dem "Insel-Schmuggler-Boot" nach KAS fahren. Die Griechen kauften dort ein und die Touristen schwirrten durch den Ort, genossen die türkischen Tavernen und die vielen Teppichhändler. dann ging es Abends wieder zurück. problem damals war, daß die Türken die Einreise offiziell machten, in dem sie einen Stempel in den Paß oder Ausweis drückten. Oftmals Pech für ausreisende Touristen, die das Land (Hellas) eigentlich hätten gar nicht verlassen dürfen... - zweites Problem war der "Kastelorizo-Dorf-Sheriff", er durfte von dem wöchentlichen Boot offiziell nichts wissen. Er wurde also nach Mandraki geschickt um die Palmen zu zählen und bekam dafür am Abend eine große Flasche Whisky.... Augen zu drücken schafft Vorteile. Unterkünfte gab es für kleines Geld ohne Grenzen in den leerstehenden Häusern. Allerdings nur mit Zisternenwasser, wenn überhaupt. Zwei Hotels gab es damals schon, für einen I)nsel-Hopper mit Rucksack eigentlich unerschwinglich.
esa waren besondere Tage auf Kastelorizo (Megisti), mit besonderen Leuten. Ach so: Kastelorizo kommt aus der italienischen Sprache und bedeutet "Castello Rosso" - Rote Burg. Immerhin waren die Italiener bis in den zweiten Weltkrieg hier die Herren. Der griechische Name ist Megisti (die Runde). Wer dann noch ein Boot zur verfügung hat, kann nicht nur auf eine der unzähligen Mini-Inseln drumherum schippern, sondern auch zur Blauen Grotte auf der Rückseite der Insel oder zur Insel "RHO". Ein kleiner Steinhaufen, auf dem eine Frau nach dem Sieg gegen die Türken die griechische Fahne gehisst hatte. Als sie 1982 starb (wir waren gerade vor Ort), wurde sie auf eigenen Wunsch auf dem Inselchen beigesetzt - den namen hatte sie ohnehin schon, sie war für alle die "Kira RHO".
Irgendwann komme ich wieder - bis dahin verbleibe ich abber auf meiner neuen griechischen Inselliebe: KEPHALONIA - aber dies ist eine andere Geschichte.

Wolfgang - gnubbletours€yahoo.de


Kommentar von MargaritaM vom 11.05.2008 08:56:53

Hallo Horst,

ein wirklich schöner Artikel.
Was Du über die Entstehung Eures Buches schreibst interessiert mich sehr. Würde mich gelegentlich gerne mit Euch mal ausführlicher darüber unterhalten.

Viele Grüße
Margarita


Kommentar von printy vom 07.05.2008 09:21:06

Danke für den schönen Artikel,
auf Kastellorizo habt ihr mich ja schon neugierig gemacht.
Schön wie du die Entstehungsgeschichte so schilderst.

Ich denke, die Spedition wird schon hinfinden. Bin gespannt, wie lange die brauchen.

Dieter alias printy