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Eulenspiegel

Von awo

"Diesen Stein soll niemans erhaben(1). Hie staht Uhlenspiegel begraben. Anno domini 1350.Jahr", steht auf einem Grabstein, der heute noch an der alten Kirche zu sehen ist.
(1) aufheben

Es handelt sich um das Grab von Till Eulenspiegel, der nicht nur im Leben wunderlich war, sondern auch im Tode, und deshalb aufrecht im Grabe steht. So jedenfalls heißt es in den alten Büchern über Till Eulenspiegel, so in dem von Hermann Bote, erschienen 1510.

Mölln ist der Sterbeort von Till Eulenspiegel. Davon zeugt nicht nur der Grabstein, auch eine lebensechte Figur wurde errichtet, dessen Fußspitze von Touristen schon ganz blank gescheuert ist. Berühren soll Glück bringen. Auch ein kleines Museum wurde in einem alten Fachwerkhaus eingerichtet.

2017 erschien unter dem Titel "Tyll" ein neuer Roman des deutsch-österreichischen Erfolgsautors Daniel Kehlmann. Darin wird die Geschichte von Till Eulenspiegel (hier: Tyll Uhlenspiegel) vom 14. ins 17.Jahrhundert verlegt, also vom Spätmittelalter in die Zeit des 30jährigen Krieges. Bei Kehlmann wird Tyll in einem Dorf in Süddeutschland geboren. Sein Vater, ein wissbegieriger Müller, war, so Kehlmann, aus Mölln zugewandert. Er wird als Hexer und Teufelsbündler vor einem Inquisitionsgericht angeklagt und hingerichtet. Das ist dichterische Freiheit.

In den alten Büchern wurde 1300 in Kneitlingen am Elm geboren (im Braunschweigischen) und starb 1350 in Mölln. Eulenspiegel war Zeit seines Lebens ein Vagant, der sich mit Gelegenheitsarbeiten und kleinen Betrügereien durchschlägt. Geographisch sind die Schauplätze genau bestimmt, so mancher Ort nördlich der Mainlinie wurde von Eulenspiegel aufgesucht. Einmal war er darüberhinaus in Antwerpen, ein anderes Mal in Prag und dann sogar in Rom beim Papst.

"... verkörpert Till den Schalksnarren, der mit vorgespielter Einfalt gesellschaftlche Schwächen und Gebrechen bloßstellt"

"Die Leute zu äffen, Schabernack zu treiben, den Selbstzufriedenen zu schaden, wird ihm zur zweiten Natur. Es gibt keine soziale Schicht, die er verschont." (Zitate aus der Einleitung von Siegfried Streller zum Buch "Deutschsprachige Erzähler des 16. und 17.Jahrhunderts", Leipzig 1987)

Die Figur des Vaters vermischte Kehlmann offensichtlich mit einer anderen literarischen Figur. In der "Historia von D. Johann Fausten" (erschienen 1587), wird die Titelfigur, ein Alchimist, vermutlich 1540 durch eine Explosion tödlich verletzt. Er, ein unerschrockener Forscher, steht im Urteil der Kirche und mancher Zeitgenossen mit dem Teufel im Bunde. Der Stoff wurde später erneut aufgegriffen und bearbeitet. Am bekanntesten ist Goethes Faust, mit dem zweiten Hauptdarsteller Mephistopheles (dem Teufel).

In "travello" habe ich übrigens einen Artikel über das Karagöz-Theater geschrieben. Karaköz gilt als der türkische, Karagiotis als der griechische Eulenspiegel.

Geschrieben 11.04.2021, Geändert 11.04.2021, 40 x gelesen.

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