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Straßenbahn fahren? Ja, bitte!

Von awo

Straßenbahnen – gibt es das überhaupt in den USA? Aber ja, wenn auch seltener als in Europa. Ein Beispiel dafür ist New Orleans, wo die Straßenbahn (Street Car) ganz besonders geliebt wird und selbst schon eine Sehenswürdigkeit darstellt. Tennessee Williams hat sein bekanntes Drama „A Streetcar Named Desire“ (Endstation Sehnsucht) nach der Straßenbahnlinie auf der Desire Street in New Orleans benannt.

Heute fahren die Street Cars wieder auf vier Linien, das sind drei Linien mehr als auf dem Tiefpunkt der Entwicklung in den 1980er Jahren. Seit langem still gelegte Linie wurden 1988, 2004 und 2013 neu eröffnet. In gewisser Weise gibt es also nicht nur in Europa, sondern auch in den USA eine Renaissance der Straßenbahn. Die in New Orleans mutet dabei etwas altertümlich an. Andere Städte wie zum Beispiel Houston, die die Straßenbahn wieder ganz neu eingeführt haben, importieren hingegen moderne Systeme aus Europa.

In New Orleans sind die Street Cars auch für Touristen ein interessantes Verkehrsmittel, nicht nur, weil ihre Benutzung unschlagbar preiswert ist. Eine Fahrt kostet $1.25, Anschlussfahrten nennen sich Transit. Wird dies gewünscht, muss das beim Erwerb der Fahrkarte gleich dazu gesagt werden, Zusatzpreis: 25 Cent. Die Verkehrsbetriebe bitten darum, abgezähltes Geld passend bereit zu haben, denn die Automaten an Bord geben kein Kleingeld. In einigen Verkaufsstellen gibt es auch Tageskarten, genau gesagt heißen sie Tagespass (Day Pass).

Die Verkehrsbetriebe von New Orleans, die auch die Straßenbahn betreiben, heißen übrigens in Kurzform NORTA (lang: New Orleans Regional Transit Authority).

Die bekannteste der drei Linien ist die Linie St. Charles mit ihren grünen Wagen des Baujahrs 1923. Diese Linie wurde nur nach der Hurrican-Katastrophe 2005 vorübergehend außer Betrieb genommen und besteht ansonsten laut NORTA seit 1835. Die Wagen vom Typ "Perley Thomas" stehen unter Denkmalschutz. Sie haben keine Klimaanlage und keine Heizung, die Fenster sind offen, so dass ein kühlender Wind durchkommt. Dies ist jedenfalls im Sommer bei dem tropisch-schwülen Wetter von New Orleans sehr angenehm.

Die Linie St. Charles verläuft streckenweise unter großen schattigen Eichen und entlang stattlicher Villen (mansions) aus dem 19.Jahrhundert. Auch ein großer Park (Audubon Park, hier liegt auch der Zoo) ist gut mit dieser Street Car Linie zu erreichen. Die Fahrtzeit von einem Ende zum anderen der Linie beträgt 40 Minuten, die Länge 13,2 Meilen, das sind rund 21 Kilometer. Auf der Karte ähnelt die Streckenführung einem Halbmond.

Die zweite Linie ist vergleichsweise kurz (15 Minuten Fahrtzeit für die ganze Strecke) und führt direkt am Ufer des Mississippi entlang und wird deshalb Riverfront-Linie genannt. Sie führt zu den touristischen Hauptsehenswürdigkeiten wie dem Französischen Markt und dem neuen "Aquarium of the Americas". 1988 war sie die erste neu eröffnete Linie seit 1926, als das Straßenbahnnetz 200 Meilen (320 Kilometer) lang war. Damit ging ein, so heißt es in einem Prospekt, lang gehegter Traum von Straßenbahn-Enthusiasten, Grundstücksentwicklern und Geschäftsleuten in Erfüllung.

Auf dieser Linie verkehren rote Straßenbahnwagen, die in ihrem Aussehen abgesehen von der Farbe zwar den alten, auf der Linie St. Charles eingesetzten Wagen ähneln, aber modern ausgestattet sind und deshalb auch über eine Klimaanlage verfügen. In den 1980er Jahren gab es viele Bemühungen, ausgemusterte Street Cars wieder nach New Orleans zu holen. Es wurde sogar ein Komitee "Bring Our Street Cars Home" (Bring unsere Straßenbahnwagen nach Hause) gebildet und einige Wagen wurden tatsächlich ausfindig gemacht und kehrten zurück.

Die dritte Linie verkehrt auf der Canal Street. 1964 stillgelegt, wurde sie 2004 wiedereröffnet. Sie transportiert tagtäglich Tausende von Einheimischen und Touristen auf einer 5,5 Meilen oder 9 Kilometer langen Strecke vom Französischen Markt entlang der Canal Street durch das zentrale Geschäftsviertel von New Orleans in das Mid-City Gebiet. Sie endet an der City Park Avenue und den historischen Stadtfriedhöfen. Die Linie verfügt außerdem über eine Abzweigung zum Kunstmuseum "New Orleans Museum of Art".

Die jüngste, erst dieses Jahr eröffnete Ergänzung des wachsenden Straßenbahnnetzes von New Orleans ist die 1,6 Meilen oder 2 Kilometer lange Loyola Avenue/UPT Schleife. Sie ermöglicht es Fahrgästen, die mit Amtrak-Zügen oder Greyhound-Bussen ankommen, mit der Straßenbahn weiter zu fahren. Sie gelangen damit vom Bahnhof zur Canal Street oder zum Französischen Viertel, wo die größeren Hotels der Stadt zu finden sind. An der Canal Street befindet sich eine Umsteigestation für alle Straßenbahnlinien.

Stets aktuelle Informationen (auch Fahrpläne) sind auf der Seite der New Orleans Regional Transit Authority zu finden: www.norta.com/
Dort befindet sich auch eine Karte des Liniennetzes: www.norta.com/Maps_Schedules/SystemMap/i ndex.html

Geschrieben 02.05.2013, Geändert 03.05.2013, 914 x gelesen.

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