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Der Stechlin

Von awo

Theodor Fontane (1819 - 1898) hat der Mark Brandenburg ein literarisches Denkmal gesetzt. Bekannt sind seine ab 1859 entstandenen Reiseberichte "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (die eigentlich Kutschfahrten gewesen sind) und seine Romane, darunter sein letzter, 1895 bis 1897 geschrieben, unter dem Titel der "Der Stechlin".

Dieser Titel ist eine Anleihe beim Großen Stechlin-See, der im Norden des heutigen Bundeslandes Brandenburg liegt, und zwar dort, wo die Seen Brandenburgs nahtlos in die Mecklenburgische Seenplatte übergehen. Seine Ufer sind kaum besiedelt, es dominiert der Wald. Um den See, der an seiner tiefsten Stelle 70 Meter tief ist, führt ein 14 Kilometer langer Rundwanderweg herum.

Gleich am Anfang des Romans von Fontane steht eine Landschaftsbeschreibung des Stechlin-Sees, die auch heute noch zutrifft. Das Dorf Stechlin am südlichen Ende des Sees mit dem Schloss Stechlin hat Fontane erfunden. In der Realität liegt dort das Dorf Neuglobsow. Das Schloss existiert nicht, obwohl derartige Adelssitze in Brandenburg nichts Ungewöhnliches sind.

Das Adelsgeschlecht der Stechlins ist die tragende Idee in Fontanes Roman. Es geht um die Situation des Adels am Ende des 19.Jahrhunderts, eine uns heute weitgehende unbekannte Welt, vor dem Hintergrund der aufscheinenden neuen Zeit. Der Adel befindet sich in diesem Roman bereits im Niedergang. Des öfteren gibt es Anspielungen auf Geldprobleme.

Negativ werden die Gundermanns dargestellt. Es sind bürgerliche Parvenus, die zwar im Besitz von 7 Wassermühlen sind, vom Adel aber kritisch beäugt werden. Derartige Wassermühlen sieht man auch heute noch an verschiedenen Stelle im Landkreis Oberhavel.

Neben dem Stechlin-See ist das Kloster Wutz eine zweite wichtige Adresse im Roman. Dort lebt die Schwester des Schlossherren unter fast ärmlichen Verhältnissen. Sie ist Domina über 3 oder 4 "Konventionalistinnen". Im Gegensatz zu ihrem Bruder ist sie eine unsympathische Person, voll von Adelsdünkel, und legt Wert auf Abgrenzung ("Scheidungen"). Wers mag, kann am 30 Kilometer südlich gelegenen Wutzsee die Überreste des Klosters Wutz auch heute noch besuchen. Fast unheimlich ist es, auf die Gräber der Obristinnen und Konventionalistinnen aus jener Zeit zu stoßen.

Als weiterer Schauplatz des Romans ist Rheinsberg zu nennen. Der alte Stechlin kandierte bei den Reichtagswahlen für den Wahlkreis Rheinsberg-Wutz und verlor gegen den sozialdemokratischen Kandidaten. Der Ablauf des Wahltages ist genau beschrieben. Während sich das sozialdemokratische Klientel auf dem dreieckigen Platz in der Ortsmitte versammelte und feierte (ich glaube, der Platz heißt heute Fontaneplatz), nahmen dies die Honoratioren mit fast stoischer Gelassenheit und ließen sich in ihrer gespenstisch wirkenden Feier im Gasthof nicht stören.

Fontanes Roman und mehr noch seine "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" kann man heute also fast noch als Reiseführer für die Gegend nehmen. Die Sprache ist etwas veraltet, aber immer noch gut verständlich. Auf Youtube kann man sich den Roman vorlesen lassen. Er wurde 1970 übrigens im damaligen Westdeutschland verfilmt und kann ebenfalls auf Youtube angesehen werden.

Das Buch von 1897 ist nicht rückwärtsgewandt. Seine Hauptprotagonisten sind zwar konservativ, aber einige davon erwarten eine "neue Zeit" und sind besorgt über das "langsame Tempo des Wandels". Im 29.Kapitel sprechen sich zwei von ihnen für eine "bessere Zeit im Zeichen einer demokratischen Weltanschauung" aus. Diese wird schließlich auch verkörpert durch das neue Paar auf Stechlin und den Frühling am Ende des Buches.

Geschrieben 04.10.2017, Geändert 04.10.2017, 267 x gelesen.

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