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Ein schöner Platz

Von awo

Am südlichen Rand von Paduas Altstadt liegt ein einzigartiger Platz: Prato della Valle. Es handelt sich um eine ellipsenförmige, von grünem Rasen bewachsene Fläche, die von einem Kanal umflossen wird, also eigentlich eine Insel. Sie wird geteilt von vier Wegen, die an vier Brücken enden. Am Kanal stehen 78 Statuen illustrer Persönlichkeiten.

Da Prato della Valle bereits 1775 im wesentlichen sein heutiges Aussehen erhalten hat, hat auch schon Goethe diesen Platz auf seiner Italienreise 1786 gesehen und bewundert. Im folgenden möchte ich den Dichterfürsten zu Wort kommen lassen und aus seinem Reisetagebucheintrag vom 27.09.1786 zitieren:

"Der große Platz, Prato della Valle genannt, ist ein sehr weiter Raum, wo der Hauptmarkt im Juni gehalten wird. (...) Ein ungeheures Oval ist ringsum mit Statuen besetzt, alle berühmten Männer vorstellend, welche hier gelehrt und gelernt haben. Einem jeden Einheimischen und Fremden ist erlaubt, irgendeinem Landsmann oder Verwandten hier eine Bildsäule von bestimmter Größe zu errichten, sobald das Verdienst der Person und der akademische Aufenthalt zu Padua bewiesen ist.

Um das Oval umher geht ein Wassergraben. Auf den vier Brücken, die hinaufführen, stehen Päpste und Dogen kolossal, die übrigen, kleiner, sind von Zünften, Partikuliers und Fremden gesetzt. Der König von Schweden ließ Gustav Adolfen hinstellen, weil man sagt, derselbe habe einmal in Padua eine Lektion angehört. Der Erzherzog Leopold erneuerte das Ansehen Petrarchs und Galileis. Die Statuen sind in einer braven modernen Manier gemacht, wenige übermanieriert, einige recht natürlich, sämtlich im Kostüm ihrer Zeit und Würden. Die Inschriften sind auch zu loben. Es findet sich nichts Abgeschmacktes und Kleinliches darunter."

Johann Wolfgang Goethe, Italienische Reise I, Frankfurt/M. 1976, S.80f.

Geschrieben 10.09.2016, Geändert 10.09.2016, 741 x gelesen.

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