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Auf den Spuren Tucholskys in Rheinsberg

Von awo

Rheinsberg liegt im nördlichen Brandenburg und war spätestens seit Fertigstellung der Eisenbahn im Jahre 1890 ein beliebtes Ausflugsziel der Berlinerinnen und Berliner. Kurt Tucholsky berichtet in seinem schmalen Buch „Rheinsberg“ von einer solchen Reise. Es ist eher eine Erzählung als ein Roman. 1911 hat Tucholsky mit seiner späteren ersten Frau Else Weil Rheinsberg besucht. Er war da gerade 21 Jahre alt. „Rheinsberg“ war sein Erstlingswerk und erschien 1912.

Es ist nicht einfach ein Reisebericht, sondern ein prosaisches Stück Literatur über die beiden Reisenden. Sie treten darin als Hauptdarsteller auf. Im Buch heißen sie Wolfgang und Claire. Sie wohnen in Berlin und fahren für drei Tage nach Rheinsberg. Weil sie ein unverheiratetes Paar sind, dürfen Claires Eltern von der Reise nichts erfahren. Noch war die wilhelminische Kaiserzeit nicht zu Ende. Es galt als anstößig und unmoralisch, wenn ein Paar in wilder Ehe lebte. Für Claire und Wolfgang dagegen scheint es die normalste Sache der Welt zu sein. Sie lieben und necken sich, sie haben eine schöne Zeit, besichtigen das Schloss, rudern auf dem See und machen eine Kutschfahrt ins Grüne.

All das kann man auch heute noch in Rheinsberg unternehmen. Für Wolfgang und Claire war der Besuch im Kinematograph (ein umständliches Wort für Kino) der letzte Schrei. Ich glaube, heute hat Rheinsberg kein Kino mehr. Immerhin gibt es aber den Bahnanschluss noch (umsteigen, wie in Tucholskys Zeit, auf dem Bahnhof Löwenberg/Mark). Als nostalgische Erinnerung gibt es auch heute noch Kutschen, die man als Tourist nehmen kann. Tucholsky spricht übrigens nicht von Kutschen, sondern von Wagen. Autos sind es aber noch nicht.

Wolfgang und Claire genießen die kurze Reise, die Freude am Leben und am Jungsein. „Das kommt nie wieder“, heißt es an einer Stelle. Die Alten sind besonders für Wolfgang Spießer, "die in den Gräbern die Fäuste schütteln". „Sterben für das Vaterland“ kommt für Wolfgang, ganz gegen den damaligen Zeitgeist, nicht in Frage. Für ihn zählt nur die Freude, am Leben zu sein. „Zwischen den Vergangenen und denen, die noch kommen würden - jetzt waren sie an der Reihe - hurra!"

Heute wissen wir, dass Tucholsky jung starb (Selbstmord) und Else in Auschwitz ermordet wurde. Das Buch „Rheinsberg“ aber ist und bleibt eine heiter beschwingte Sommer- und Liebesgeschichte. Sie wird heute in der Regel mit dem Roman „Schloss Gripsholm“ zusammen verlegt, ist also kaum noch in einer Einzelausgabe zu bekommen.

Wer sich für Tucholsky interessiert, kann heute in Rheinsberg im Schloss das Kurt-Tucholsky-Museum besuchen.

Geschrieben 22.08.2017, Geändert 23.08.2017, 320 x gelesen.

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