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Eine Liebesgeschichte aus der Zeit der deutschen Besatzung

Von awo

In seiner fesselnden Erzählung "Giocanda" beschreibt Nikos A. Kokantzis die Ereignisse auf dem Eleftheriaplatz mit folgenden Worten:

"Dann kam jener Tag, an dem sich alle männlichen Juden auf dem Eleftheriaplatz versammeln mußten. Dort wurden sie gezwungen, auf die Erde zu knien und von acht Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags in dieser Stellung zu verharren, ohne sich zu rühren. Junge, Alte, Kranke, und sogar die Rabbiner wurden unter der sengenden Sonne geschlagen und ausgepeitscht, wenn sie es wagten, sich zu rühren, oder wenn sie vor Erschöpfung zusammenbrachen. Es gab keinen anderen Grund für diese Versammlung, außer die Juden unterwerfen und demütigen zu wollen. Es war ein unglaublicher Anblick eines unglaublich schlechten Scherzes, der allen, Opfern und Tätern, das Zeichen des Todes aufgedrückt hatte."

Wie an dieser Passage deutlich wird, beschönigt der Erzähler nichts an den grausamen Ereignissen während der deutschen Besatzungszeit. Und doch ist seine Erzählung unglaublich lebensbejahend, emotional, sinnlich, lebendig und leidenschaftlich. Sie schildert die Liebesgeschichte des griechischen Jungen Nikos zu dem jüdischen Mädchen Giocanda, die tragisch endet. Nikos ist gerade 16, Giocanda 15, als sie mit ihrer Familie ins Vernichtungslager deportiert wird.

Nebenbei gewährt die Erzählung Einblicke in das damalige Thessaloniki. Das junge Liebespaar findet Rückzugsmöglichkeiten in mit hohem Gras bewachsenen Brachen. Dort wo heute Benzinduft vorherrscht, lag noch Thymianduft in der Luft. Die Aussage, "es gab nichts Stilleres und Unbelebteres als jene Stunden während der Besatzung", steht im auffälligen Gegensatz zu der heutigen lauten und lärmenden Stadt. Aber auch ein amerikanischer und britischer Bombenangriff auf Hafen und Flugplatz wird geschildert, der in Nikos, dem Ich-Erzähler und Protagonisten, ein erregendes Gefühl hervorruft, als würde er selbst die Wehrmacht in die Knie zwingen.

Leider ist die deutsche Ausgabe der Erzählung derzeit nur antiquarisch zu haben.

Geschrieben 11.01.2012, Geändert 11.01.2012, 1684 x gelesen.

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